100. Geburtstag von Computer-Erfinder Konrad Zuse

15.06.2010 | Berlin
Zum 100. Geburtstag von Konrad Zuse fordert der BITKOM von der Bundesregierung ein Umdenken in der Innovationspolitik. Der Erfinder des Computers wurde am 22. Juni 1910 in Berlin-Wilmersdorf geboren und konstruierte 1941 den ersten programmgesteuerten Rechner der Welt.

Computer, Faxgerät und MP3-Standard haben eines gemeinsam: Sie wurden in Deutschland erfunden, aber andere Länder haben sie kommerziell erfolgreich umgesetzt", sagte BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer. "Der Computer hat die Welt verändert und ist die wohl bedeutendste Innovation des 20. Jahrhunderts. Aus heutiger Sicht ist Konrad Zuse eine der wichtigsten deutschen Persönlichkeiten, aber den wenigsten ist er bekannt. Sein Jubiläum sollte Anlass sein, in der Innovationspolitik künftig neue Wege zu gehen. Es muss uns gelingen, aus guten Ideen international erfolgreiche Produkte zu machen, wenn wir weiterhin zu den wichtigsten Technologiestandorten gehören wollen."

Der BITKOM spricht sich dafür aus, künftig die gesamte Innovationskette von der Grundlagenforschung über die Entwicklung bis hin zum fertigen Produkt und seiner international erfolgreichen Vermarktung politisch zu flankieren. Scheer: "Jedes Jahr werden zweistellige Milliardenbeträge an Steuergeldern in die Forschungsförderung gepumpt und kaum jemand interessiert sich wirklich dafür, was langfristig daraus wird - im Sinne von neuen Produkten, Unternehmen und Arbeitsplätzen." Derzeit erhalte die meisten Fördermittel, wer die wohlklingendsten Anträge schreibe. Scheer fordert die Umstellung der Vergabeverfahren der Projektförderung und parallel die Einführung der steuerlichen Forschungsförderung. "Statt das Gewicht auf die Antragstellung zu legen, muss sich die Vergabe von Forschungsmitteln mehr nach den Ergebnissen richten." Erfolgreiche Umsetzungen von Forschungen müssten gesondert belohnt werden. Eine aktuelle Studie der Universitäten Dresden und Antwerpen zeigt, dass seit 1985 von rund 400 untersuchten Spin-off-Unternehmen aus Universitäten nur eine Handvoll einen jährlichen Umsatz von mehr als 10 Millionen Euro erzielt. Dies stelle die Effizienz der gegenwärtigen Forschungsförderung in Frage, so Scheer.

Gleichzeitig müssten die Universitäten stärker unternehmerisch tätig werden und sollten gezielt Ausgründungen anstreben. Technologiecluster im Umfeld der Hochschulen könnten dies unterstützen. Scheer: "Unser Ziel muss sein, Cluster zu entwickeln, die mit den international führenden Standorten im Silicon Valley, Pudong oder Bangalore mithalten können. Da hilft es wenig, dass heute jeder Bürgermeister seinen eigenen Technologiepark pflegt - Größe zählt." Junge, stark wachsende Technologieanbieter müssten zudem auf dem Weg in die internationalen Märkte unterstützt werden.

Zur Innovationspolitik gehört aus BITKOM-Sicht auch, den Technologiestandort Deutschland im Ausland aktiv als solchen zu vermarkten. "Die Amerikaner gehen wie selbstverständlich davon aus, dass der Computer eine US-Erfindung ist. Wir müssen international wieder stärker deutlich machen, dass Deutschland mehr zu bieten hat als Oktoberfest und schnelle Autos."

Auf Initiative des BITKOM werden in Hannover ein Platz und in Berlin eine Straße nach Konrad Zuse benannt. Dazu wird in Hannover auf dem größten Messegelände der Welt der zentrale Platz in "Konrad-Zuse-Platz" umbenannt. "Was Berlin angeht, so hat uns überrascht, dass es dort bislang noch keine Konrad-Zuse-Straße gibt", sagt BITKOM-Präsident Scheer. In Berlin ist Zuse geboren und hier brachte er den ersten Computer zum Laufen. "Im Bezirk Treptow-Köpenick sind wir auf offene Ohren gestoßen und wir freuen uns, dass wir den Erfinder des Computers gemeinsam würdigen können." Die Konrad-Zuse-Straße soll am Technologiestandort Adlershof im Berliner Südosten neu entstehen. Das hat das Bezirksparlament Treptow-Köpenick beschlossen. "Kaum ein anderer Teil Berlins hat so viel Innovationspotenzial wie Adlershof, wo Forschungsinstitute und Hightech-Unternehmen vorbildlich zusammenarbeiten", betont der Vorsitzende der Bezirksverordnetenversammlung, Siegfried Stock.

Der 100. Geburtstag von Konrad Zuse, der 1995 mit 85 Jahren im hessischen Hünfeld starb, ist von Juni bis November Anlass für etliche Veranstaltungen. Sonderausstellungen gibt es im Deutschen Technikmuseum in Berlin, dem Deutschen Museum in München, dem Konrad-Zuse-Museum Hünfeld, dem Konrad-Zuse-Computermuseum Hoyerswerda und dem Heinz-Nixdorf-Museumsforum Paderborn. Veranstaltungen von Fachverbänden wie der Gesellschaft für Informatik und von Universitäten im In- und Ausland ergänzen das Jubiläumsprogramm. Weitere Informationen dazu gibt es im Internet unter zuse.de.

Konrad Zuse begann seine Arbeit an programmgesteuerten Rechenmaschinen 1934 und schloss 1935 ein Studium als Bauingenieur ab. In den Jahren 1936 bis 1938 konstruierte er in Berlin die erste mechanische Rechenmaschine der Welt, die Z1, die auf der binären Schaltungslogik basierte. 1941 folgte die Z3 als erster programmgesteuerter Rechner. Anschließend entwickelte Zuse die Programmiersprache "Plankalkül". 1947 machte sich Zuse zunächst mit einem Ingenieurbüro im Allgäu selbstständig und gründete 1949 im hessischen Neukirchen die Zuse KG. Dort stieg der Computerpionier 1964 als aktiver Teilhaber aus, und das Unternehmen wurde einige Jahre später von Siemens übernommen. Zuse ist Träger zahlreicher Ehrendoktortitel. Seine Verdienste um die Erfindung des Computers sind heute international anerkannt.

Quelle: Pressemeldung BITKOM Bundesverband Informationswirtschaft,Telekommunikation und neue Medien e.V.

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