Historische Bluttat im Ansbacher Hofgarten
Vor 175 Jahren, am 14. Dezember 1833, ereignete sich im Hofgarten der Residenz Ansbach eine geheimnisvolle Bluttat: die tödliche Verletzung Kaspar Hausers. Ob das mysteriöse Findelkind dort die Stichwunde tatsächlich, wie er berichtete, von einem Unbekannten erhielt, oder ob er sich selbst verletzte, um einmal mehr die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen - das bleibt wohl für immer ungeklärt. Am 17. Dezember 1833 starb Kaspar Hauser an den Folgen des Stichs, der ihm im Ansbacher Hofgarten zugefügt wurde. Bis heute erinnert in diesem Garten, der von der Bayerischen Schlösserverwaltung betreut wird, ein Denkmal an eine der rätselhaftesten Figuren der 19. Jahrhunderts.
"Hic occultus occulto occisus est" (Hier wurde ein Geheimnisvoller auf geheimnisvolle Weise getötet) steht auf dem Gedenkstein für Hauser im Hofgarten. Er befindet sich neben dem Denkmal für den Dichter Johann Peter Uz. Ob Mord oder doch eher versehentlicher Suizid - mit seinem geheimnisvollen Tod wurde Kaspar Hauser endgültig zum Mythos. Als "Rätsel seiner Zeit" bezeichnet ihn seine Grabinschrift.
Einer populären Theorie zufolge war das geistig zurückgebliebene Findelkind, das 1828 in Nürnberg erstmals auftauchte, der Erbprinz von Baden. Eine Nebenlinie des Fürstenhauses soll ihn nach der Geburt heimlich gegen einen sterbenden Säugling ausgetauscht haben, um sich die Thronfolge zu sichern. In den letzten Jahren wurden DNA-Analysen durchgeführt, die zumindest nicht völlig ausschließen, dass Hauser mit dem Haus Baden verwandt war.
Viele Fragen bleiben offen
Hauser behauptete, sein ganzes Leben bei Wasser und Brot alleine in einem dunklen Keller gefangen gehalten worden zu sein. Seine Geschichte verbreitete sich rasch und wurde von vielen Zeitgenossen für wahr gehalten. Aber schon damals regten sich kritische Stimmen, die durch moderne medizinische Erkenntnisse nachträglich bestätigt werden. Tatsächlich spricht einiges dafür, dass Kaspar Hauser eine Art pathologischer Schwindler war. Bereits das erste Attentat, das 1829 angeblich auf ihn verübt wurde, wird heute stark angezweifelt. Auch der Mordanschlag im Ansbacher Hofgarten könnte durchaus von Hauser vorgetäuscht worden sein, um wieder mehr Beachtung zu erlangen. Aber man wird wohl nie erfahren, was damals im Hofgarten wirklich geschah.
Hofgarten nicht nur als Schauplatz des (angeblichen) Attentats einen Besuch wert
Sicher ist jedoch, dass der Hofgarten einen Besuch wert ist! Seine Geschichte reicht bis in das 16. Jahrhundert zurück. Leonhard Fuchs, der Leibarzt des Markgrafen, erwähnt in seinem berühmten Kräuterbuch den fürstlichen Garten in Ansbach. Zwischen 1723 und 1750 wurde der Hofgarten der Ansbacher Markgrafen zu einem großen Barockgarten umgestaltet. Da er nicht direkt an das Schloss grenzte, entwarf der Architekt Karl Friedrich von Zocha die Orangerie als architektonisches Zentrum. So entstand in den Jahren 1726 bis 1743 ein "Pomeranzenhaus" nach französischem Vorbild. Der repräsentative, einflügelige Bau war im Sommer Bühne höfischer Festlichkeiten, im Winter diente er als Überwinterungshaus für Kübelpflanzen. Heute ist die Orangerie eine Gaststätte und sehr gefragter Veranstaltungsort. Anlässlich des 500. Geburtstags von Leonhard Fuchs wurde im Jahr 2001 ein spezieller Heilkräutergarten angelegt. Der Hofgarten ist ganzjährig zugänglich.
Prachtvolles Raumkunstwerk des Rokoko
Die Residenz der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach blickt auf eine rund 500jährige Baugeschichte zurück. In dem reich ausgestatteten Raumkunstwerk des Rokoko lebt das Flair der ehemaligen Fürstenresidenz weiter. In der Gotischen Halle der Residenz Ansbach befindet sich heute eine bedeutende Sammlung Ansbacher Fayencen und Porzellane. Ihre jetzige Gestalt erhielt die Residenz im 18. Jahrhundert durch Gabriel di Gabrieli und Karl Friedrich von Zocha. Sehenswert sind auch die Gemäldegalerie mit Werken des Rokoko (Zweigmuseum der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen) sowie die Sammlung Meißener Porzellane im Spiegelkabinett. Aufgrund von Sanierungsarbeiten ist das berühmte Deckenfresko des Festsaals von Carlo Carlone bis zum Sommer 2009 nicht zu besichtigen. Als kleine Wiedergutmachung werden die Lüster des Festsaals für die Besucher auf Augenhöhe herabgelassen. Ein großformatiges Foto des Freskos kann im Festsaal begutachtet werden.
Quelle: Pressemeldung Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen
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