Industriepionier unter drei Kaisern
Er hat bei den Planungen für das Schiffshebewerk Henrichenburg mitgewirkt, er machte die Stettiner Maschinenbau-AG "Vulcan" zum größten Schiffbau-Unternehmen in Deutschenland und schrieb als anerkannter Fachmann Gutachten, unter anderem für Kaiser Wilhelm II. Der Industriepionier Rudolph Haack (1833 - 1909) erhielt kurz nach seinem Tod ein Denkmal an der Schachtschleuse Henrichenburg. Dennoch ist er einer der "großen Unbekannten" der Industrie- und Technikgeschichte. Jetzt steht Haack erstmals im Mittelpunkt einer Ausstellung. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) eröffnet die Schau mit dem Titel "Industriepionier unter drei Kaisern. Der Schiffbauingenieur Rudolph Haack - Ein Held der Technik?" am Sonntag, 25. April, um 11 Uhr in seinem Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg.
Bilder, Dokumente und Schiffsmodelle - viele davon bisher unbekannt - werfen Schlaglichter auf das Arbeitsleben Haacks, auf die Schifffahrtsgeschichte und die Industrie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Präsentation im Hafenmeistergebäude findet begleitend zur Kulturhauptstadt-Ausstellung "Helden. Von der Sehnsucht nach dem Besonderen" statt, die der LWL bis zum 31. Oktober in seinem Industriemuseum Henrichshütte Hattingen zeigt.
Hintergrund
Rudolph Haack wurde am 17.Oktober 1833 in Wolgast/Pommern geboren. Er starb 1909 und erhielt an der Schachtschleuse Henrichenburg in Waltrop ein bemerkenswertes Denkmal. Dazwischen liegt eine außergewöhnliche Karriere. Während einer Bildungsreise in England lernte Haack, Meister für den Holzschiffbau, um 1850 den industriellen Eisenschiffbau im großen Stil kennen. Großbritannien war zum Lehrer Europas geworden. In Deutschland steckte der industrielle Schiffbau noch in den Anfängen. Kapital wurde gebraucht, Fachleute waren gesucht.
1856 wurde in Grabow bei Stettin an der Oder die Maschinenbau-Actiengesellschaft "Vulcan" gegründet. Am Aufbau ihres Werft-Betriebs war der Schiffbaumeister Rudolph Haack von Anfang an beteiligt. 15 Jahre später wurde unter seiner Leitung zum ersten Mal ein großes Panzerschiff für die kaiserliche Marine auf einer Privatwerft gebaut. Für den jungen Prinzen Wilhelm, den späteren Kaiser Wilhelm II., blieb der Stapellauf der "Preussen" am 22. November 1873 ein unvergessliches Kindheitserlebnis. In mehreren Reden und in seinen Erinnerungen kam Kaiser Wilhelm II. darauf zurück. Große Schiffe aus Eisen brauchten nun nicht länger in England gekauft zu werden.
Rudolph Haack stieg zum Schiffbaudirektor der "Vulcan" auf. Weitere bedeutende Schiffsbauten folgten. Darunter das Panzerschiff "Ting Yuen" für die chinesische Marine. Auch andere Werften und die deutsche Eisen- und Stahl-Industrie profitierten davon. England bekam Konkurrenz. Die Befreiung von britischem Know-how war eingeleitet. Haack hat diesen Umbruch vom Holzschiffbau zum Eisen- und Stahlschiffbau eingeleitet. Schon zu Lebzeiten war er in Fachkreisen eine Legende.
1887, nach 30 Jahren, endete Haacks Arbeit für die Stettiner "Vulcan". Eine zweite Karriere als unab-hängiger Ingenieur, als Gutachter und als Forscher folgte. Haack hielt Vorträge zu aktuellen Fragen aus der militärischen und der zivilen Schifffahrt. Für das preußische Ministerium der öffentlichen Arbeiten begutachtete er Entwürfe für das Schiffshebewerk Henrichenburg am geplanten Dortmund-Ems-Kanal, und er untersuchte den Wasserwiderstand von Schiffen auf diesem Kanal. Er erhielt den Titel Königlicher Baurat und wurde zum Mitglied der Akademie des Bauwesens berufen. Die honorige Schiffbautechnische Gesellschaft, deren Gründung er mit befördert hatte, verlieh ihm die Ehrenmitgliedschaft.
Die Ausstellung
Erstmals versucht eine Ausstellung, Haacks Arbeitsleben an Hand von Bildern und Dokumenten aus der zivilen Schifffahrt und aus der Marine darzustellen. Was verbindet Haack mit China? Welche Rolle spielte er in dem brisanten Streit, der bis in die höchsten Kreise der Marine führt? Warum akzeptierte Kaiser Wilhelm II. ihn als unparteiischen Gutachter? Auf den Grundlagen neuer Forschung und Quellen hat Dr. Eckhard Schinkel, Wissenschaftlicher Referent beim LWL-Industriemuseum, eine Ausstellung entworfen und ein Buch mit herausgegeben, das ein faszinierendes Geschichtspanorama mit Schlaglichtern auf das Arbeitsleben Haacks, auf die Schifffahrtsgeschichte und die Industrie in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wirft.
Ist Rudolph Haack ein "Held der Technik"? Selbst seine Weggefährten und Zeitgenossen hätten ihn wohl kaum mit so einem Schlagwort belegt. Rudolph Haacks Arbeitsleben und seine einzigartige Karriere sind ein Spiegel für wesentliche Entwicklungen der Industrialisierung und Maritimisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Ausstellung und Begleitbuch sind Ergebnisse der Forschungs-Kooperation des Deutschen Schif-fahrtsmuseums Bremerhaven, und des LWL-Industriemuseums.
Am Sonntag, 25. April, um 11 Uhr wird die Ausstellung von Gertrud Welper, stellvertretende Vor-sitzende der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe, eröffnet. Dr. Eckhard Schinkel führt in die Ausstellung ein. Der Saxophonist Claudius Reimann wird mit verschiedenen Saxophonen den Rahmen für die Eröffnungsveranstaltung bilden
Quelle: Pressemeldung Landschaftsverband Westfalen-Lippe
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