"Movement is Vocabulary"

02.12.2008 | Berlin
Der Choreograph Sidi Larbi Cherkaoui setzt Grundfragen unseres Daseins in faszinierende Tanzperformances um. Dafür wird er mit dem KAIROS-Preis 2009 der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. ausgezeichnet, mit 75.000 Euro einer der höchstdotierten Kulturpreise in Europa.

Sein jüngstes Werk SUTRA gelangt am 3. Dezember 2008 zur Deutschlandpremiere im Rahmen der spielzeit’europa - der Theatersaison im Haus der Berliner Festspiele.

Jede seiner Produktionen ist anders, einzigartig, überraschend. Er versinnbildlicht essentielle Themen in Tanz, setzt Grundfragen unserer Existenz in Bewegungen um und integriert Techniken aus allen Kulturen, um das Repertoire seiner Formensprache ständig zu erweitern. Sidi Larbi Cherkaoui, Sohn einer flämisch-katholischen Mutter und eines marokkanisch-muslimischen Vaters, entzieht sich der Zuordnung zu einem bestimmten Stil, seine Vielfältigkeit widersetzt sich jeder Kategorisierung. "Wortlos aber bildmächtig wirbt die Kunst dieses Choreographen für Empathie, Nachdenklichkeit und Neugier. Cherkaoui macht sich immer wieder auf die Suche nach Neuem, seine Vielfältigkeit widersetzt sich jeder Kategorisierung. Und doch lassen sich Fragen nach Identität und Spiritualität in all seinen Werken erkennen, das trotz seines jungen Alters schon fast zwanzig Produktionen umfasst." begründet Armin Conrad, Mitglied des KAIROS-Kuratoriums, die Wahl.

Für sein weithin beachtetes Schaffen, das ihn zu einem der bewundertsten Choreographen seiner Generation macht, wird Sidi Larbi Cherkaoui am 15. Februar 2009 mit dem KAIROS-Preis ausgezeichnet, der mit 75.000 Euro dotiert ist. Benannt nach dem Gott des "rechten Augenblicks" der griechischen Mythologie ist der Preis Anerkennung und Ermutigung zugleich: Er gilt Künstlern und Kulturschaffenden, die auf beispielhafte Weise unterwegs sind, ohne den Zenit ihres Schaffens bereits erreicht zu haben, und macht ihre innovativen Leistungen weithin sichtbar.

Cherkaoui ist bereits Preisträger verschiedener Auszeichnungen für Tanz und Choreographie. Mit dem KAIROS-Preis erhält er nun den ersten europäischen Kulturpreis, der das Interesse - über die Tanzwelt hinaus - einer breiten kulturell interessierten Öffentlichkeit auf ihn lenkt. Zudem gibt ihm die projektungebundene Dotierung die Möglichkeit, langfristig den Aufbau einer eigenen Tanzcompagnie zu initiieren - ein Vorhaben, das ihm seit einer Weile am Herzen liegt. So soll auch in seiner Arbeit die Legende der griechischen Mythologie ihr Versprechen einlösen: Der KAIROS-Preis kommt im richtigen Augenblick: Er wird dazu beitragen, seinen Vorhaben eine tragfähige Grundlage zu geben.

Am 3. Dezember 2008 gelangt sein jüngstes Werk SUTRA im Rahmen der spielzeit’europa - der Theatersaison im Haus der Berliner Festspiele zur Deutschlandpremiere. Die neue Produktion des Tanzvisionärs - zuletzt ausgezeichnet von einer Kritiker-Jury als Choreograph des Jahres 2008 - ist von der Kraft, Schönheit und Präzision der Shaolin-Kampfkunst inspiriert. Zusammen mit den buddhistischen Mönchen des Shaolin-Tempels in der chinesischen Provinz Henan, dem Ursprungsort des Shaolin Kung Fu, entwickelt der Tänzer und Choreograph Cherkaoui ein Tanzstück, das zum spirituellen Kern dieser Kampfkunst vordringt. Begleitet auf dieser Reise hat ihn der Künstler und Turner-Preisträger Antony Gormley, der für die Darsteller eine beeindruckende Bühnenlandschaft kreiert, die er mit Lichteffekten dramatisch in Szene setzt. Der junge polnische Komponist Szymon Brzóska transformiert die Anmut der Bewegungen in eine Partitur für Klavier, Streicher und Schlagzeug.

Quelle: Pressemeldung Berliner Festspiele

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