Obdach für die Seele - täglich geöffnet
An 75 Kirchen in Westfalen ist es jetzt zu finden: das Zeichen in den Farben Schwarz, Weiß und Blau, das leicht erkennbar auf eine verlässlich geöffnete Kirche hinweist. Nummer 75 ist die Lutherkirche der Evangelischen Markus-Kirchengemeinde in Bielefeld-Sieker. Oberkirchenrätin Doris Damke hat das Schild am 29. März feierlich seiner Bestimmung übergeben. Am Pfingstsonntag 2004 wurde an der Paderborner Abdinghofkirche das erste Signet dieser Art in Westfalen angebracht. Seitdem haben sich immer mehr Kirchen der Initiative angeschlossen.
Dank an die viele Ehrenamtlichen
Kirchen sind die einzigen öffentlichen Räume, die nicht einem messbaren, direkten Nutzen gewidmet sind. "Hier kann ich nichts einkaufen; hier kann ich weder kochen noch fernsehen, hier muss ich mich nicht ausweisen und hier brauche ich nichts vorzuweisen. Eine Kirche ist ein nicht verzweckter, aber beileibe kein zweckloser Raum", erklärte Oberkirchenrätin Damke bei der Enthüllung des Signets an der Bielefelder Lutherkirche. Der Kirchenraum "bietet dem Glauben einen sichtbaren Ort, dem Glaubenden eine Heimat, will den Suchenden, Fragenden und Betrachtenden bergen und Obdach für die Seele bieten". Doris Damke dankte den vielen ehrenamtlichen Mitwirkenden, deren Engagement die zuverlässige Öffnung ermöglicht: "Danke dafür, dass Sie christlicher Gastfreundschaft so Ausdruck geben und Ihre Tür öffnen für alle Neugierigen und Suchenden, die diese Einladung annehmen mögen - unabhängig davon, ob sie mit Kirche und christlichem Glauben verbunden sind."
Eine Kerze anzünden
Die Voraussetzung für das Signet sind: Regelmäßige Öffnung an mindestens fünf Tagen in der Woche für mindestens je vier Stunden, gleichmäßig auf Vor- und Nachmittag verteilt, Mindestöffnungszeit von Anfang April bis Ende September, Informationen für Besucher über das Gebäude und das Leben der Gemeinde, einladend geordneter Zustand. Gemeinden, deren Kirchen diese Bedingungen erfüllen, bekommen das Zeichen von der Landeskirche verliehen. In ganz Nordrhein-Westfalen, aber auch in anderen Gegenden ist das einheitliche Zeichen bereits zu finden. In vielen Kirchen können Besucher nicht nur den Raum auf sich wirken lassen, sondern auch eine Kerze anzünden oder ihre Gedanken einem Buch anvertrauen. Das Signet tragen in Westfalen nicht nur die großen alten Kirchen, die als touristische Sehenswürdigkeit gelten, sondern ebenso kleine Dorfkirchen fernab der Hauptverkehrswege oder auch eine neugotische Kirche wie in Bielefeld-Sieker, die vor hundert Jahren gebaut wurde, als die Industrialisierung für ein rapides Bevölkerungswachstum sorgte.
Gefahr mutwilliger Zerstörung ist kleiner als oft befürchtet
Die offene Kirche bringt unmittelbar zum Ausdruck: Unsere Tür ist auch im weiteren Sinne geöffnet, wir freuen uns über alle, die kommen und fragen dabei nicht nach Herkunft oder Konfession. Die Angst vor Diebstahl oder mutwilligen Zerstörungen hält manche Gemeinde davon ab, ihre Kirchentüren aufzumachen. Nicht überall lässt sich eine regelmäßige Aufsicht organisieren. Doch die Gefahr ist meist kleiner als befürchtet. Von negativen Erfahrungen ist in der westfälischen Landeskirche nichts Nennenswertes bekannt.
Quelle: Pressemeldung Evangelische Kirche von Westfalen
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