Preisverleihung und Kongress verdeutlichen ein "Erbe von unschätzbarem Wert"
Der mit 3000 Euro dotierte Preis wurde anlässlich des Jubiläums 400 Jahre 1. Reformiere Generalsynode heute im Kultur- und Stadthistorischen Museum in Duisburg übergeben.
Mit dem Preis soll die Bedeutung des 1610 verankerten presbyterial-synodalen Prinzips für Kirchen, Politik, Gesellschaft und Kultur beleuchtet werden - bis heute. Der Reformator Johannes Calvin beruft sich zu Recht auf die biblischen Grundlagen der presbyterial-synodalen Ordnung, betonte Präses Schneider in seiner Laudatio. Im Fazit ist vom "gläsernen Prinzip" die Rede, und so werden von der Transparenz dieser Ordnung die Linien zur modernen Zivilgesellschaft gezogen. Präses Schneider zufolge besticht die Arbeit durch den Brückenschlag von reformatorischer Theologie sowohl zur Bibel als auch zur modernen Gesellschaft.
Susanne Becker hat im März ihr Lehramtsstudium der katholischen Theologie und Geschichte abgeschlossen. Anschließend schrieb sie die Arbeit über Calvins Ämterlehre, eigens für den Wettbewerb. Den Referendardienst hat sie zunächst aufgeschoben für ein Promotionsvorhaben in Kirchengeschichte. Dafür will sie auch das Preisgeld verwenden. "Ich bin gern und überzeugte Katholikin", sagt die junge Frau, die zugleich die presbyterial-synodale Struktur der evangelischen Kirche positiv würdigt. In ihrer Rede bei der Preisverleihung fasste sie diese Struktur mit den Schlagworten Transparenz, Kooperation und Kontrolle zusammen. Sie ermögliche, verbindliche Regeln aufzustellen und durchzusetzen. Das Erbe dieser Ordnung sei "von unschätzbarem Wert".
Die unterschiedlichen Aspekte des Geschehens 1610 wurden auf dem dreitägigen Kongress "Die 1. Reformierte Generalsynode 1610 - aus der Sicht der Wissenschaft" untersucht und debattiert. Der bleibende Wert der Generalsynode 1610 wurde auch in der Podiumsdiskussion zum Abschluss des Kongresses, moderiert vom Duisburger Superintendenten Armin Schneider, deutlich. Wesentlich war nach den Worten von Prof. Dr. Irmgard Hantsche, ehemalige Professorin für Neuere Geschichte und Didaktik der Geschichte (Essen), das "Ergreifen der Chance, was vorher nur im Geheimen gelebt werden konnte, nun in die Öffentlichkeit zu bringen und auf eine breitere und sichere Basis zu stellen". Prof. Dr. Andreas Mühling, Honorarprofessor für Evangelische Kirchengeschichte (Trier) erklärte, die Generalsynode sei "erstmal nicht dezidiert mit theologischen Fragen befasst" gewesen, sondern mit Strukturfragen, mit Themen wie Pfarrbesoldung und Reisekosten. "Dahinter steckt das Bemühen, eine funktionsfähige Gemeinde zu etablieren. Und das ist theologisch."
Im Selbstverständnis der damaligen Synodalen, soweit erkundbar, dürfte die Abkopplung von der niederländischen Kirche hohen Stellenwert gehabt haben, sagte Dr. Stefan Flesch, der Leiter des Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland. "Vor 400 Jahren war das ein gewaltiger Akt." Dass eine über Länderterritorien hinausgreifende Kirchenorganisation geschaffen werden konnte, sei für die folgenden zweihundert Jahre einmalig gewesen. Dazu der Professor für Kirchengeschichte an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel, Prof. Dr. Hellmut Zschoch: "Ich würde auch sagen: Das Überterritoriale weist am deutlichsten in die Zukunft." Und: "Das Erstaunlichste an der Generalsynode ist, dass sich die Beschlüsse gehalten haben." Die Entscheidungen seien zukunftsfähig über das hinaus, was sich die Väter der Generalsynode 1610 gedacht hatten. Der Leiter der Archivstelle Boppard der rheinischen Kirche, Dr. Andreas Metzing, sagte, "historisches Erinnern ist wie eine Medaille mit zwei Seiten". Als Kirchenmitglied freue er sich über Impulse für das heutige Leben; als Wissenschaftler sehe er die Chance, weitere Fragen zu erforschen.
Quelle: Pressemeldung Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR)
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