Giraffen: Tierquälerei oder Artenschutz? Das Sterben in deutschen Zoos

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Die deutschen Zoos nehmen für sich in Anspruch, gemäß den Erfordernissen des Artenschutzes zu handeln. Die Art und Weise, wie Giraffen gehalten werden und unter teilweise unzumutbaren Bedingungen leben und sterben, lässt daran zweifeln.

Werden Giraffen in deutschen Zoos artgerecht gehalten?

Sie gehören zweifellos zu den Publikumslieblingen in den Zoos weltweit: Giraffen. Die majestätischen Tiere faszinieren uns Menschen aufgrund ihrer Größe, ihrer anmutigen Bewegungen, aber auch ihres sanftmütigen Charakters. Die Giraffe zählt zu den bedrohten Tierarten. Allein im Zeitraum von 1985 bis 2015 ist der Bestand an Giraffen, die in freier Wildbahn leben, um knapp 40 Prozent gesunken. Mittlerweile leben in Afrikas Steppen noch etwa 100.000 Giraffen.

Bedrohte Giganten: Warum geht die Population der Giraffen drastisch zurück?

Die größten Landwirbeltiere unseres Planeten verlieren immer mehr Lebensräume und auch die anhaltende Wilderei führt dazu, dass von einzelnen Unterarten bereits nur noch einige Tausend Tiere leben. Obwohl Giraffen die an Land lebenden Säugetiere mit der höchsten Körpergröße sind, benötigen besonders Jungtiere viel Schutz und auch Glück, um zu imposanten Tieren heranzuwachsen.

Nach einer 15-monatigen Schwangerschaft bringt die Giraffenkuh ihr Junges im Stehen zur Welt. Das neugeborene Kalb muss sich so schnell wie möglich auf seine wackeligen Beinchen stellen, um mit der Herde mitzuziehen. Erwachsene Giraffenbullen erreichen eine Höhe von bis zu sechs Metern und ein Gewicht von durchschnittlich 1.600 Kilogramm.

Die Kühe werden immerhin bis zu 4,5 Meter groß und 830 Kilogramm schwer. Dank ihrer Größe müssen sich ausgewachsene Giraffen nur vor Löwen fürchten. Die Jungtiere haben mehr Feinde. Sie werden auch von Hyänen, Wildhunden und Leoparden gerissen.

Nur jedes dritte Jungtier erreicht das Erwachsenenalter, sodass es lange dauert, bis sich eine Population, die durch Wilderei und schrumpfenden Lebensraum dezimiert wurde, erholt. Es ist somit zu befürchten, dass diese wunderschönen Tiere, die in Freiheit bis zu 25 Jahre alt werden und mit Geschwindigkeiten von bis zu 50 Stundenkilometer über die afrikanische Savanne laufen, irgendwann aussterben werden.

Video: Giraffen sterben aus – Wir fragen den Expertern

Zoohaltung als Sicherung des Artenschutzes?

Zoos verteidigen die Haltung exotischer Tiere mit dem Hinweis auf ihren Beitrag zum Schutz bedrohter Tierarten. Zuchtprogramme sollen sicherstellen, dass vom Aussterben bedrohte Tiere zumindest in den Zoos überleben. Um Inzucht zu verhindern und den Genpool rein zu erhalten, werden in Gefangenschaft geborene Tiere, die nicht für die Züchtung genutzt werden können, getötet und an andere Zootiere verfüttert.

Besonders der Fall des jungen Giraffenbullen Marius, der 2014 im Kopenhagener Zoo mit einem Bolzenschuss getötet und dann öffentlich verfüttert wurde, machte Schlagzeilen und wirft ein anderes Bild auf Zoos. Wie im untenstehenden Video zu sehen ist, wurde damit eine Debatte darüber angestoßen, unter welchen Bedingungen exotische Tiere in den Zoos gehalten werden. Die Bilder dieser fragwürdigen Aktion gingen um die Welt.

Die Zooleitung begründete die Tötung damit, dass der Tierpark Mitglied der EAZA (European Association of Zoos and Aquaria – Europäische Zoo- und Aquarienvereinigung) sei. In dieser Vereinigung haben sich knapp 300 Zoos zusammengeschlossen, um mit einem strengen Zuchtprogramm die genetische Vielfalt der Tiere zu wahren.

Ähnliche Schlagzeilen machte der Magdeburger Zoo, der 2008 drei völlig gesunde Tigerbabys einschläfern ließ, weil diese keine reinrassigen sibirischen Tiger waren. Jedem Tierfreund stellt sich die Frage, ob die Tötung gesunder Tiere ethisch verantwortbar ist und ob die Zoohaltung überhaupt befürwortet werden kann.

 

Warum sterben so viele Giraffen in deutschen Zoos?

Gegner der Zoohaltung von Tieren wenden vor allem ein, dass es gar nicht möglich sei, den Tieren artgerechte Lebensbedingungen zu bieten. Das trifft ganz besonders auf Giraffen zu. Die majestätischen Tiere leben in der Natur in großen sozialen Verbänden und durchstreifen riesige Areale in der Savanne. Außerdem sind die Tiere aufgrund ihrer Anatomie besonders empfindlich und benötigen viel mehr Platz in ihrem Gehege als andere Wildtiere.

Die schreckhaften Paarhufer fristen in viel zu kleinen Gehegen ein trauriges Dasein und verunglücken sehr oft, weil sie sich auf den glatten, harten Böden nicht sicher fortbewegen können. Hinzu kommen tierschutzwidrige Transporte, für die man die Tiere narkotisiert oder in enge Transportboxen steckt. Das führt wiederum dazu, dass Giraffen häufig verunglücken und entweder direkt beim Unfall sterben oder danach eingeschläfert werden müssen.

Im folgenden Video erklärt Dr. Heather Rally, leitende Tierärztin der Tierschutzorganisation PETA, warum sich die Giraffe nicht für die Haltung in einem Tierpark eignet und schließt mit dem Appell, Zoos und andere Einrichtungen, in denen exotische Tiere einem breiten Publikum vorgeführt werden, nicht zu besuchen. Letztlich ist dies die einzige Möglichkeit, exotische Tiere vor Tierquälerei in Zoos zu schützen.

In den vergangenen zwölf Jahren starben mehr als 40 Giraffen in deutschen Zoos.

In den vergangenen zwölf Jahren starben mehr als 40 Giraffen in deutschen Zoos. (#01)

Die lange Liste verstorbener Giraffen in deutschen Zoos

In den vergangenen zwölf Jahren starben mehr als 40 Giraffen in deutschen Zoos. Oft sind es Unfälle, die zum Tod führen, wie beim Fall der Giraffe Femke, die 2017 im Magdeburger Zoo ausrutschte und sich dabei so schwer verletzte, dass sie eingeschläfert werden musste. 2015 verfing sich der Jungbulle Abasi, der im Berliner Zoo lebte, in einem Strick und verstarb. 2015 verklemmte sich die Giraffe Kibali mit ihrem Geweih im Gitter und verletzte sich dabei schwer an der Wirbelsäule. Auch sie musste eingeschläfert werden.

Neben Unfällen sind Krankheiten, die aufgrund der nicht artgerechten Haltung auftreten, ein Grund für die zahlreichen Todesfälle. Erst 2019 starb ein kleiner Giraffenbulle im Alter von fünf Wochen an einer polyarthritischen Gelenksentzündung. Dies sind nur einige der mehr als 40 Fälle in deutschen Zoos getöteter Giraffen und jeder einzelne Fall ist eine Mahnung und Anklage gegen die Haltung exotischer Tiere in Zoos.

Die Tiere sterben in jungen Jahren an der Folge von Unfällen, an Krankheiten oder bei den Transporten zwischen den verschiedenen Zoos, die untereinander Zuchtabkommen getroffen haben. Es stellt sich die Frage nach dem Nutzen dieser Abkommen und danach, warum Deutschland eines der wenigen Länder ist, die nicht die Mindestanforderungen an die Zoohaltung dieser faszinierenden Tiere gesetzlich festgeschrieben haben. Es bleiben nach jedem Todesfall verstörende Bilder, die leider nach wenigen Tagen in Vergessenheit geraten.

Ist Zoohaltung von Tieren mit dem Tierschutz vereinbar?

Immer wieder weisen Tierschützer darauf hin, dass die beeindruckenden Tiere, die in Zoos zur Freude der Besucher gehalten werden, dort unter den Bedingungen leiden und dass im Tierpark gar keine artgerechten Bedingungen möglich seien.

Leider sind besonders die großen exotischen Tiere Zuschauermagneten, die den Zoos weltweit viel Geld einbringen. Der Eisbär Knut lockte von 2007 bis zu seinem frühen Tod 2011 mehr als elf Millionen Zuschauer nach Berlin. Das Tier starb im März 2011 an einer Gehirnentzündung, die durch eine Autoimmunerkrankung ausgelöst wurde.

Es liegt der Verdacht nahe, dass diese Krankheit, die zuvor noch niemals bei einem Tier diagnostiziert wurde, mit der Haltung in Gefangenschaft zusammenhängt. Doch auch nach seinem Tod erfreut der Eisbär sein Publikum, ausgestopft im Berliner Museum für Naturkunde…

Sind Giraffen die aus freier Wildbahn in einen Zoo kommen eigentlich überlebensfähig?

Sind Giraffen die aus freier Wildbahn in einen Zoo kommen eigentlich überlebensfähig?

Sind Wildtiere für die Haltung im Tierpark geeignet?

Traurige Bilder von Löwen, die unruhig in ihrem viel zu engen Gehege auf und ab gehen oder von Nilpferden, die nur noch lethargisch in kleinen Wasserbecken liegen, lassen erahnen, wie sehr die Wildtiere in Gefangenschaft leiden.

Im untenstehenden Video wird erläutert, welche Verhaltensstörungen Tiere aufweisen, die nicht artgerecht gehalten werden. Nahezu alle in Gefangenschaft gehaltenen Elefanten sind von einer Verhaltensauffälligkeit betroffen, die von Experten als Weben bezeichnet wird und die sich darin äußert, dass die Tiere den Rüssel permanent von links nach rechts schwingen.

Position des Deutschen Tierschutzbundes zum Thema Zoohaltung

Der Deutsche Tierschutzbund hat sich ebenfalls zur Haltung von Tieren in Tierparks positioniert und vertritt eine differenzierte Meinung. Die Zoohaltung wird nicht generell abgelehnt, jedoch an strenge Bedingungen geknüpft.

Es wird gefordert, eine Unterbringung im Tierpark nur dann zu erlauben, wenn sichergestellt wird, dass die Tiere bewahrt werden vor:

  • Leiden
  • Schmerzen
  • Schaden

Das ist nur dann der Fall, wenn die Gestaltung der Gehege eine artgerechte Haltung ermöglicht und zwar im Hinblick auf die Größe, Ausstattung und selbstverständlich auch auf die klimatischen Bedingungen. Es muss gewährleistet sein, dass die Tiere ihre artgemäßen Bedürfnisse befriedigen und auch ihr artgemäßes Sozialverhalten ausleben können.

Betrachtet man die Kriterien, wird ersichtlich, dass es kaum möglich sein wird, großen exotischen Tieren wie Giraffen, Elefanten oder Löwen diese Bedingungen zu bieten. Dass das oft strapazierte Argument des Artenschutzes ebenfalls nicht greift, wird später erläutert.

Rechtliche Grundlagen der Zoohaltung von Giraffen und anderen Wildtieren

Im Jahr 2002 trat in Deutschland die EU-Zoorichtlinie (1999/22/EG) in Kraft, mit der die Zoos aufgefordert werden, Tiere artgerecht zu halten. Die Zoorichtlinie geht in ihren Forderungen sogar über das Deutsche Tierschutzgesetz hinaus, ist jedoch so allgemein formuliert, dass davon keine konkreten Anforderungen an die Haltung abgeleitet und somit auch nicht eingefordert werden können.

Andere europäische Länder sind in Sachen Tierschutz bereits wesentlich weiter als Deutschland und haben die Anforderungen an die Haltung gesetzlich verankert. In Deutschland werden stattdessen Sachverständigengutachten angefertigt, die Mindestanforderungen an die Zoohaltung definieren. Leider werden im Gutachten über die Haltung von Säugetieren die mittlerweile international anerkannten Mindeststandards nicht erreicht.

Im Jahr 2002 trat in Deutschland die EU-Zoorichtlinie (1999/22/EG) in Kraft, mit der die Zoos aufgefordert werden, Tiere artgerecht zu halten.

Im Jahr 2002 trat in Deutschland die EU-Zoorichtlinie (1999/22/EG) in Kraft, mit der die Zoos aufgefordert werden, Tiere artgerecht zu halten.(#03)

Können Zoos Mindesthaltungsanforderungen erfüllen?

Außerdem ist zu kritisieren, dass ein Gutachten keinen rechtsverbindlichen Charakter hat. Ein Gesetz zu den Mindesthaltungsanforderungen ist überfällig und sollte folgende Problemfelder eindeutig regeln:

  • Nahrungsverhalten
  • Ruheverhalten
  • Sozialverhalten
  • Mutter-Kind-Verhalten
  • Eigenkörperpflege
  • Erkundung

Bezogen auf Giraffen kann unzweifelhaft festgestellt werden, dass kein deutscher Zoo die Mindesthaltungsanforderungen erfüllt. Oft wird einer Giraffe, die gerade gekalbt hat, ihr Junges weggenommen, obwohl in der Natur teilweise eine lebenslange Bindung zwischen Mutter und Kind besteht. Auch im Hinblick auf die Möglichkeiten, ein natürliches Sozialverhalten zu leben oder große Bereiche in der Natur zu erkunden, werden Giraffen in deutschen Zoos nicht artgerecht gehalten.

Betrachtet man die biologischen Grundbedürfnisse exotischer Tiere, liegt die Befürchtung nahe, dass Zoos diese kaum oder gar nicht befriedigen können und aus diesem Grund auf die Zoohaltung von Giraffen und anderen Wildtieren verzichtet werden sollte. Dies wird auch von der Expertin Heather Rally gefordert.

Im folgenden Video erklärt sie am Beispiel der Giraffenzucht, warum die Zoohaltung Tierquälerei ist und keinesfalls zum Artenschutz beiträgt. Die Pressesprecher der Zoos kontern mit niedlichen Fotos von Jungtieren und behaupten, dass Zoos sogar zum Tierschutz und vor allem zum Artenschutz beitragen. Diese Behauptung hält leider einer kritischen Analyse nicht stand.

Video: Sorge um stilles Aussterben der Giraffen

Leisten Zoos einen Beitrag zum Tierschutz?

Der angeblich unverzichtbare Beitrag der Tierparks zum Arten- und Tierschutz erweist sich bei näherer Betrachtung als kaum bis gar nicht vorhanden. Artenschutz kann nur erfolgen, indem man die Wildtiere in ihrem Lebensraum schützt, denn die in den Zoos geborenen Tiere können nicht ausgewildert werden. In Gefangenschaft geborene Tiere verfügen nicht mehr über ihre natürlichen Instinkte und wären in freier Wildbahn nicht lebensfähig.

Auch das Argument, dass Zootiere die Menschen für das Thema Artenschutz sensibilisieren, greift nicht. Eine im Jahr 2007 durchgeführte Studie belegt, dass eine Bewusstseinsänderung der Zoobesucher nicht stattfindet. Es gibt mittlerweile mehr Tierparks als je zuvor und doch geht das Artensterben unvermindert weiter.

Es entspricht leider auch nicht der Wahrheit, dass Zoos, wie häufig behauptet, in nennenswertem Umfang Artenschutzprojekte in der Heimat der Wildtiere unterstützen. Im Gegenteil: Deutsche Zoos werden jedes Jahr mit Millionen an Steuergeldern subventioniert. Würde dieses Geld in den Tier- und Artenschutz vor Ort investiert werden, wären viel größere Erfolge erreichbar. Stattdessen verschlingen die Zuchtprogramme der Zoos riesige Summen, ohne dass dabei Tiere geboren werden, die irgendwann in freier Natur leben können.

Ist die Zoohaltung pädagogisch sinnvoll?

Befürworter der Zoohaltung behaupten, dass Kinder ansonsten keine Möglichkeit hätten, Tiere hautnah kennenzulernen. Das ist selbstverständlich Unsinn, denn eine Entdeckungsreise in die heimische Natur ist jederzeit möglich. Ein Spaziergang im Wald oder ein Besuch auf einem Bauernhof, wo Tiere artgerecht gehalten werden, bietet Kindern hervorragende Möglichkeiten, Tiere zu erleben und ein Gespür für deren Bedürfnisse zu entwickeln.

Bedenkt man, dass Zootiere in vielen Fällen Verhaltensauffälligkeiten aufweisen, ist es sogar kontraproduktiv, Kindern diese Tiere zu zeigen. Ihnen wird damit ein völlig falsches Bild von Wildtieren vermittelt. Es ist weitaus sinnvoller, mit Kindern Dokumentarfilme anzusehen, in denen das natürliche Verhalten der Tiere gezeigt wird.

Sie lernen, welche Feinde die Tiere haben, warum sie gefährdet sind und was tatsächlich nötig ist, damit nicht immer mehr Spezies auf der Liste bedrohter Tierarten erscheinen. Das Bild, das Dokumentarfilme bieten, ist wesentlich realistischer und trägt dazu bei, das Bewusstsein der Kinder für den Tierschutz zu wecken.

Junge Menschen können sich auch direkt vor Ort in Kenia für den Schutz der Giraffe engagieren. Im Rahmen der Freiwilligen Arbeit gibt es beispielsweise Volunteer-Projekte, für die man sich bewerben kann. Wildlife Sanctuary in Kenia hilft mit, das Tsavo-Ökosystem zu erhalten und schützt somit Giraffen, Elefanten, Zebras, Krokodile, Büffel und viele andere faszinierende Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum.

Befürworter der Zoohaltung behaupten, dass Kinder ansonsten keine Möglichkeit hätten, Giraffen hautnah kennenzulernen.

Befürworter der Zoohaltung behaupten, dass Kinder ansonsten keine Möglichkeit hätten, Giraffen hautnah kennenzulernen.(#04)

Wie geht es Giraffen in deutschen Zoos?

Dies ist eine lapidare Frage, die jedoch den Kern der Sache trifft. Denn wenn man diese Frage ehrlich beantwortet, kann man die Zoohaltung exotischer Tiere nicht rechtfertigen. Keine Giraffe kann im Tierpark artgerecht leben und das trifft leider auf fast alle exotischen Tiere zu. Die meisten Tiere sind verhaltensgestört und fristen in viel zu engen Gehegen ein trauriges Dasein, was mit zahlreichen Fotos und Filmaufnahmen dokumentiert ist.

Eine Studie aus dem Jahr 2012 ergab, dass 87 Prozent aller Gehege nicht artgerecht sind und die Bewohner zu einem eintönigen Leben verdammt, in dem ihre Sinne abstumpfen. Schimpansen zeigen Verhaltensweisen wie Selbstverstümmelung und den Verzehr ihrer Exkremente. Doch obwohl Fotos dieser Missstände nahezu wöchentlich in der Presse auftauchen, ändert sich an der gängigen Praxis relativ wenig.

Eine der Öffentlichkeit weitgehend unbekannte Tatsache ist die übermäßige Züchtung von Tieren, die später nicht untergebracht werden können. Tierbabys sind Publikumsmagneten und sorgen für gut gefüllte Kassen. Fotos von jungen Eisbären oder Löwenbabys gehen um die Welt und werden sogar als Zuchterfolge gefeiert. Doch wenn die Tiere ausgewachsen sind, werden viele von ihnen getötet oder an Tierhändler verkauft.

Video: Giraffen Die großen Unbekannten Arte Doku 2016 HD

Giraffen und andere Wildtiere gehören in die Freiheit!

Keine Giraffe profitiert davon, in Gefangenschaft zu leben und das romantische Bild vom Tierpark, der zur Arterhaltung beiträgt und in dem Tiere ein glückliches Leben führen, trifft in der Realität leider nicht zu. Die Zoos benötigen außerdem entgegen aller Behauptungen immer noch Wildfänge, da viele Tierarten sich in Gefangenschaft kaum fortpflanzen.

Besonders tragisch ist jedoch, dass die Tierparks nicht einmal die behördlichen Haltungsrichtlinien zuverlässig einhalten, obwohl diese bei weitem nicht ausreichend sind, um Wildtiere artgerecht zu halten. Das zeigt sich besonders bei den Giraffen, die auf den glatten Böden ausrutschen, sich mit ihrem Geweih in Zäunen verfangen oder an Krankheiten sterben, die bei Wildtieren unbekannt sind.

Es bleibt also festzuhalten, dass die Zoohaltung auch bei Tierarten, die als gefährdet gelten, abzulehnen ist und die Gelder für Zoos sinnvoller für Projekte in der Heimat der Tiere eingesetzt werden sollten. Die im Video dokumentierte Gedenkaktion vor dem Kopenhagener Zoo für den getöteten Giraffenbullen Marius trägt hoffentlich dazu bei, Menschen für das Thema zu sensibilisieren.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild:   Elizaveta Galitckaia _-#01: Various images -#02:  RudiErnst _-#03: Craig Fraser -#04: _Romrodphoto

Über Rebecca Liebig

Rebecca Liebig

Rebecca Liebig ist gerade im achten Monat schwanger. Voller Vorfreude auf ihr Baby genießen sie und ihr Mann die spannende Zeit. Von der ersten Übelkeit bis hin zu den Bewegungen ihres Mädchens halten sie alles fest. Schließlich möchte man sich später ja auch an diese Zeit erinnern. Bei der Planung des Kinderzimmers gehen die Vorstellungen zwar auseinander. In einem sind sich Rebecca und ihr Mann jedoch einig: Die aufregende Zeit wollen sie so richtig genießen. Rebecca plant, drei Jahre mit ihrer Tochter zu Hause zu bleiben. Auch ihr Mann möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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