Beziehung: Familie und Liebe unter einen Hut bringen

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Das Kind ist auf der Welt und für Paare stellt sich nun die Frage, wie können wir die Familie und unsere Liebe unter einen Hut bringen? Es ist der Beginn einer Neuorientierung, des sich aufeinander Einlassens, des sich neu Entdeckens und der Neugestaltung der Beziehung. Was bedeutet es für eine Beziehung, wenn aus einem Paar Eltern werden? Worauf muss man achten, damit man trotz Elternsein ein Liebespaar bleibt?

Wenn der Alltag die Liebe verschluckt

Ein Kind verändert das Leben eines Paares von Grund auf. Druck, Chaos und Schlafmangel sind nun an der Tagesordnung. Das bisherige Leben ist Vergangenheit und das neue Leben steht kopf. Neue Lebensinhalte, die nicht nach der Uhrzeit fragen, beherrschen den Alltag. Die Interessen und die Aufmerksamkeit liegen plötzlich woanders. Auch später, wenn das Kind bereits in den Kindergarten oder die Schule geht, hat der Alltag seinen ganz eigenen Rhythmus.

Die Verpflichtungen und Herausforderungen des Alltags lassen viel zu wenig Zeit für die Zweisamkeit. Ergibt sich dann plötzlich doch ein Zeitfenster, so kommt es zu einem unpassendem Moment. Manchmal hat man als Paar auch gar keine Energie mehr, um mit dem Partner Zweisamkeit zu leben. Die Paarbeziehung muss radikal zurückstecken und kann im Alltag auch schnell einmal untergehen. Doch es ist wichtig, sich ganz bewusst Zeit füreinander zu nehmen, damit die Liebe bleibt.

Die Kinderbetreuung nicht nur auf die eigenen Schultern legen. Sicher gibt es Verwandte und Familienmitglieder, die gern unterstützen und die Kinder betreuen

Die Kinderbetreuung nicht nur auf die eigenen Schultern legen. Sicher gibt es Verwandte und Familienmitglieder, die gern unterstützen und die Kinder betreuen.(#01)

Frischer Wind in der Beziehung

Diese Überlegungen können helfen, um wieder bewusster miteinander umzugehen:

  • Die Kinderbetreuung nicht nur auf die eigenen Schultern legen. Sicher gibt es Verwandte und Familienmitglieder, die gern unterstützen und die Kinder betreuen. Wenn es im Familienverbund niemanden gibt, können vielleicht Freundinnen im Austausch die Kinder hüten. Vielleicht erklärt sich auch eine Mutter aus der Stillgruppe bereit oder der Vater hat einen Kollegen, der sich bereit erklärt. Bei wem fühlt sich das Kind besonders wohl? Gibt es einen Nachbarn, den man vertrauen kann? Hilfreich ist auch, ein Babysitter und der Austausch mit anderen Eltern, wie sie sich ihre Freiräume als Paar organisieren.
  • Auszeiten müssen in den Alltag integriert werden. Ein Paar muss selbst die Verantwortung dafür übernehmen, dass es ihm gut geht. Dazu muss es wissen, was ihm guttut? Ist es ein romantischer Abend zu zweit, eine gemeinsame Radtour oder doch der Theaterabend? Ein Paar sollte sich jeden Tag wenigstens ein paar Minuten bewusst Zeit für sich nehmen. So kann man agieren, statt zu reagieren. Diese “Wir-Zeiten” sollten regelmäßig stattfinden, damit die Lebensfreude und Lebenslust wieder Einzug in den Alltag hält. In dieser “Wir-Zeit” darf der Haushalt ruhig liegen bleiben, das Handy ausgeschaltet sein und der E-Mail-Account in die Auszeit gehen. Wenn es einem Elternteil nach dem Job guttut noch mit den Kollegen in ein Restaurant zu gehen, sollte er das tun. So kommen die Sorgen nicht mit nach Hause. Kommt der Partner nach Hause und möchte gleich noch eine Runde mit dem Rad fahren, lässt man ihn fahren. Diese kurze Auszeit gibt unglaublich viel an Energie, die im Alltag benötigt wird. Sobald die Möglichkeit besteht, Abstand vom Alltag zu gewinnen, sollte sie genutzt werden. So kommt die Freude auf die Familie von ganz allein zurück.
Sich Zeit nehmen für die Liebe ist wichtig, denn das fördert die Intimität des Paares.

Sich Zeit nehmen für die Liebe ist wichtig, denn das fördert die Intimität des Paares.(#04)

  • Sich Zeit nehmen für die Liebe ist wichtig, denn das fördert die Intimität des Paares. Ein festes Zeitfenster, welches nur dem Paar gehört, hilft. Selbst das Babyfon darf sich nun eine Auszeit gönnen. Der Babysitter sollte nur im Notfall anrufen. Diese fest vereinbarte Zeit sollte nicht nur gemeinsam vereinbart werden, sondern auch gemeinsam genutzt. Das neu aushandeln einer gemeinsamen Paarzeit sollte vermieden werden. Ausgenommen sind natürlich Situationen wie Krankheit oder ein Familienfest. Doch in diesem Fall sollte man sofort einen neuen Termin für ein gemeinsames Date ausmachen. Diese gemeinsame Auszeit im Blick zu haben, hilft den Stress im Alltag besser zu überstehen.
  • Den Partner einmal mit etwas überraschen, was man früher, vor den Kinder, gern gemeinsam gemacht hat, belebt die Beziehung. Paare sollten sich daran erinnern, wobei sie eine ganz besondere Freude hatten und in welchen Situationen sie sich besonder verbunden gefühlt haben. Auch kleine Rituale aus früheren Tagen oder dem Beginn der Beziehung wirken belebend. Die Wünsche, die man heute hat, sollte man sich gegenseitig offen und ehrlich mitteilen. Das schafft Vertrauen. Jeder Mensch mag es positiv überrascht zu werden. Vielleicht auch einmal bei jedem gemeinsamen Date abwechselnd? Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt und dem Partner wird nichts verraten. Lediglich das benötigte Outfit sollten sie ihm mitteilen. Ob es nun ein kleines Restaurant ist, ein gemeinsames Picknick, ein Kinobesuch um Mitternacht oder eine gemeinsame Reise nach Venedig. Erlaubt ist was gefällt. Gleichzeitig zeigt man dem Partner, was einem selbst wichtig ist und guttut. Kleine Liebesinseln im Alltag. Doch muss darauf geachtet werden, dass diese gut gemeinten Überraschungen sich nicht ins Gegenteil verkehren. Der andere sollte sie auch mögen. Eine Tour durch ein Einkaufscenter oder der gemeinsame Besuch eines Fußballspiels macht nicht jeden glücklich. Fällt es jemanden schwer Überraschungen zu planen, kann er Freunde und Familie um Hilfe bitten. Wenn der Partner strahlt, ist es das Richtige und das können durchaus auch die kleinen Dinge des Lebens sein, wie eine Massage oder ehrliche, offene, liebevolle Worte.
Beide Partner sollten sich miteinander regelmäßig austauschen und spüren. Deshalb darf eine geplante Zeit für Zweisamkeit nicht auf später verschoben werden.

Beide Partner sollten sich miteinander regelmäßig austauschen und spüren. Deshalb darf eine geplante Zeit für Zweisamkeit nicht auf später verschoben werden.(#03)

  • Man hat alles richtig gemacht und trotzdem kann es passieren, dass in der knapp bemessenen Auszeit Streitereien ausbrechen. Es wird über Probleme des Alltags diskutiert und nichts ist mehr harmonisch. Das Elternsein steht wieder an erster Stelle. Natürlich sollen diese Probleme nicht unter den Teppich gekehrt werden. Doch wenn nur noch über Probleme diskutiert wird und keine Zeit mehr bleibt für Intimitäten, kann es helfen diese Spirale bewusst zu durchbrechen. Die Zeit als Paar sollte unbeschwert genossen werden können. Deshalb ist es wichtig, die gemeinsame Zeit und das Gespräch lösungsorientiert zu gestalten. Wichtig ist, wieder zu fühlen, wie es ist, wieder miteinander lachen zu können. Schwelgen in alten Erinnerungen und Erlebnissen und intime Momente noch einmal bewusst nachzuerleben, zaubert ein Lächeln ins Gesicht und beseitigt Stress.

Die Liebesbeziehung der Eltern ist wichtig

In allen Familien mit zwei Elternteilen ist die Liebesbeziehung der Erwachsenen das Wichtigste. Sie gibt den Ton an und entscheidet über die Atmosphäre in der Familie. Die beiden Partner sollten deshalb ihre Liebe zueinander unbedingt pflegen. Das ist das Geschenk, das sich ihre Kinder am meisten wünschen.“  (Jesper Juul)

Kinder verändern die Beziehung der Eltern zueinander. Nichts ist mehr, wie es war und trotzdem versuchen viele Eltern, so weiterzuleben wie bisher. Doch das wird nicht funktionieren. Der aufgewirbelte Staub, den die Geburt des Kindes mit sich gebracht hat, wird sich zu einem Beziehungsproblemberg wieder zusammenfügen.

In allen Familien mit zwei Elternteilen ist die Liebesbeziehung der Erwachsenen das Wichtigste. Sie gibt den Ton an und entscheidet über die Atmosphäre in der Familie.

In allen Familien mit zwei Elternteilen ist die Liebesbeziehung der Erwachsenen das Wichtigste. Sie gibt den Ton an und entscheidet über die Atmosphäre in der Familie.In allen Familien mit zwei Elternteilen ist die Liebesbeziehung der Erwachsenen das Wichtigste. Sie gibt den Ton an und entscheidet über die Atmosphäre in der Familie.(#02)

Was also kann konkret helfen, dass sich dieser Beziehungsproblemberg erst gar nicht auftut:

  • Den Partner schätzen, auch wenn es einmal nicht so läuft, wie man es sich vorstellt. Schließlich gibt jeder sein Bestes.
  • Mit einem Kind oder Kindern will romantische Zweisamkeit geplant sein. In dieser Zweisamkeit kann auch wieder Spontanität entstehen. Sich Zeitgutscheine von Freunden und Verwandten schenken zu lassen ist sinnvoller als ein Meer an Babyspielzeug.
  • Kein Elternpaar ist mit seinen Problemen allein. Anderen Paaren geht es genauso. Also redet man gemeinsam darüber. Das kann auf dem Spielplatz sein oder unter Kollegen. Dabei zählt wie so oft Ehrlichkeit. Auch wenn es schwerfällt, über Gefühle und Situationen sollte man ehrlich miteinander reden, damit Lösungen gefunden werden können. Reden baut vor allem bei Frauen Stress ab und sollten Tränen fließen, sollten sie fließen dürfen.
  • Beide Partner sollten sich miteinander regelmäßig austauschen und spüren. Deshalb darf eine geplante Zeit für Zweisamkeit nicht auf später verschoben werden. Gemeinsam auf Sende- und Empfangszeit zu gehen, fördert die harmonische Beziehung und das Miteinander. Das Gesagte annehmen und das Anderssein des Partners zu akzeptieren ist die Königsdisziplin einer Paarbeziehung. Nicht erlaubt ist Kritik, Bewertungen, Abwertungen, Vergleiche, Ratschläge und die Augen verdrehen.
Als Paar muss festgelegt werden, was wichtiger ist, eine harmonische Beziehung oder eine klinisch reine Wohnung. Hier müssen Prioritäten gesetzt werden.

Als Paar muss festgelegt werden, was wichtiger ist, eine harmonische Beziehung oder eine klinisch reine Wohnung. Hier müssen Prioritäten gesetzt werden.(#05)

  • Das gemeinsame Kind benötigt viel Aufmerksamkeit und körperliche Zuwendung. Doch die Eltern auch. Also sollte die Erotik nicht zu kurz kommen. Erotik beginnt mit der Zeit für die Zweisamkeit und kleinen zärtlichen Berührungen im Alltag. Sex ist nicht nur entspannend, sondern fördert auch die emotionale Bindung zwischen Mann und Frau.
  • Als Elternpaar sollte man sich von Perfektion und Idealen verabschieden. Die Verantwortung für den Haushalt muss neu aufgeteilt werden. Wer der beiden Partner kann was übernehmen? Doch damit der Mann etwas übernehmen kann, muss die Frau auch etwas hergeben wollen. Dabei muss eine Frau die Art und Weise, wie ein Mann Dinge und Situationen angeht, und löst auch gelten lassen und besonders wichtig, wertschätzen.
  • Als Paar muss festgelegt werden, was wichtiger ist, eine harmonische Beziehung oder eine klinisch reine Wohnung. Hier müssen Prioritäten gesetzt werden.
  • Die Energiereserven wieder aufzutanken ist beiden Elternteilen wichtig. Dabei kann man sich gegenseitig unterstützen. Das Pflegen des eigenen Hobbys oder der Tratsch mit den Freundinnen gehört dazu.
  • Nichts ist hilfreicher als Humor. Damit wird jede Beziehung gemeistert.
  • Sich gegenseitig von Träumen und Visionen erzählen, ist von Vertrauen geprägt und belebt die Beziehung des Paares. So kann eine gemeinsame Paarvision erarbeitet werden und es gibt ein gemeinsames Ziel.

Eine harmonische Beziehung zu führen und Elternsein ist harte Arbeit. Doch es lohnt sich. Wenn die rosarote Brille verschwunden ist und das zurückbleibt, was schon von Anfang an da war, nämlich zwei eigenständige Persönlichkeiten mit vielen Stärken und Schwächen, sollten die Schmetterlinge im Bauch wieder belebt werden. Manchmal reicht schon ein unverhofftes “Ich liebe Dich!” an einer solchen Stelle und die tägliche Routine ist durchbrochen und die Schmetterlinge haben wieder eine Chance.


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Über Sabrina Müller

Sabrina Müller

Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

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