Medienkonsum der Kinder: Größte Gefahr besteht in den Ferien

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Wohl fast alle Eltern kämpfen mit dem Medienkonsum der Kinder. Die Nutzungszeiten werden länger, die Kleinen gereizter. Vor allem im Urlaub lauert die Gefahr des Dauergebrauchs von Smartphone, Tablet und anderen Medien.

Medienkonsum der Kinder: Trend geht nach oben

Kinder haben kein Problem mit ihrem Medienkonsum, Eltern aber schon. Leider schätzen die Kleinen die Lage falsch ein, denn ihre Gereiztheit, fehlende Konzentration und ein schlechteres soziales Miteinander beeinflussen ihr ganzes Leben. Kindern fehlt es an der nötigen Medienkompetenz, sie sind weder in der Lage, das richtige Maß zu finden, noch können sie sich die verfügbare Zeit richtig einteilen. Die Nutzungszeiten von Smartphone, Tablet, Fernsehen und Internet werden immer länger, wenn die Erwachsenen kein wachendes Auge darauf haben.

Genau hierin liegt aber ein Problem: Viele Eltern kommen gestresst von der Arbeit nach Hause und brauchen eine Erholungspause. Wie gut, wenn sich die Kinder allein beschäftigen können! Vor allem im Urlaub zeigt sich dieses Phänomen, denn gerade hier wollen einige Mütter und Väter ihre Ruhe haben, die Freizeit genießen und nicht zum Animateur für den Nachwuchs werden. Es ist so einfach, die Kleinen vor dem Bildschirm „zu parken“!

Wie negativ diese Art und Weise ist, zeigt sich allerdings im ständig steigenden Medienkonsum, der mit all den Problemen einhergeht, für die Erwachsene sensibler werden müssen. Mädchen und Jungen, die zu häufig fernsehen oder im Internet unterwegs sind, konzentrieren sich schlechter. Gerade die Kleinen aus sozial und bildungsschwachen Familien werden damit praktisch ins Abseits befördert.

Es gibt allerdings auch gegenteilige Annahmen zum hohen Medienkonsum des Kindes: Das Institut der deutschen Wirtschaft hatte eine Studie zur Mediennutzung der Grundschüler in Auftrag gegeben. Hierbei kam heraus, dass sich Kinder, deren Medienkonsum bei einigen Stunden am Tag lag, angeblich besser konzentrieren könnten und sozial besser vernetzt wären. Sie sähen Sendungen, die andere auch anschauen dürften, und könnten so über ein gemeinsames Thema reden. Wie nah oder fern das Ergebnis der Studie der Wahrheit ist, muss noch nachgewiesen werden.

Wohl fast alle Eltern kämpfen mit dem Medienkonsum der Kinder. (Fotolizenz: shutterstock_fizkes )

Wohl fast alle Eltern kämpfen mit dem Medienkonsum der Kinder. (Fotolizenz: Shutterstock-fizkes )

Mama und Papa als Vorbild

Eltern sind Vorbilder, das dürfte allgemein bekannt sein. Doch es geht nicht nur um alltägliche Gewohnheiten zu Gesundheit und Bewegung, zu Sprache oder zu anderen Dingen, sondern auch um die möglichen Beschäftigungen in der Freizeit. Wenn Mama und Papa im Urlaub ständig am Smartphone hängen, warum sollten Kinder und Teenager dann anders agieren, wenn sie ihre Ferien genießen sollen?

Vergeht bei den Eltern kein Tag, ohne dass sie beim Heimkehren nach der Arbeit fernsehen oder vergeht kein Abend, ohne dass das Internet durch das Schauen von Netflix und das Nutzen diverser Dienste zum Streaming an seine Grenze gebracht wird, so dürfte klar sein, dass auch die Kinder ihre Nutzungszeiten nicht einschränken werden. Drogenbeauftragte sehen die Vorbildfunktion der Eltern sehr kritisch und weisen gemeinsam mit Ärzten auf hohe Risiken durch übermäßigen Medienkonsum hin.

Allerdings sind Eltern nicht nur schuldig, denn die verschiedene Angebote sind in jüngster Zeit immer günstiger geworden. Netflix und Streaming kosten kaum noch einen Betrag, der am Ende des Monats wirklich ins Gewicht fällt. Das zeigt sich auch bei einem Vergleich der Streaminganbieter unter https://www.onlinekosten.de/streaming/vergleich/.

Schon für weniger als acht Euro im Monat können die Onlineinhalte der Anbieter grenzenlos genutzt werden. Jeder Ausflug mit Kindern zu Mäckes oder ins Kino ist deutlich teurer! Zumal die Kleinen im Kino auch wieder vor einem Bildschirm bzw. hier vor der Leinwand sitzen. Für viele stellt der Medienkonsum über Smartphone, Tablet oder andere Variante damit eine kostengünstige Variante einer Beschäftigung in der Freizeit dar.

Die Eltern müssen dem Medienkonsum der Kinder Grenzen setzen und schon früh an der Medienkompetenz arbeiten.(Fotolizenz: shutterstock Yiorgos GR)

Die Eltern müssen dem Medienkonsum der Kinder Grenzen setzen und schon früh an der Medienkompetenz arbeiten.(Fotolizenz: shutterstock- Yiorgos GR)

Wie Eltern Ihren Kindern Medienkompetenz vermitteln können

Die Eltern müssen dem Medienkonsum der Kinder Grenzen setzen und schon früh an der Medienkompetenz arbeiten. Auch die Kindertagesstätten sind hierbei in der Pflicht. Ein Beispiel: Draußen regnet es? Damit die Kleinen drinnen nicht zu viel Ärger machen, zu laut und zu anstrengend sind, gibt es eine lustige DVD. Dann sitzen schon unter Dreijährige vor dem Bildschirm und schauen mit offenem Mund eineinhalb Stunden einen Film an.

Dieser mag durchaus lustig sein, doch kann es das Ziel einer Kita sein, die Kleinen möglichst ruhigzustellen? Eine Empfehlung in puncto Erziehung zur Medienkompetenz muss daher auch immer in Richtung der Kindertagesstätten und Bildungseinrichtungen gehen.

Erwachsene, die mit der Beaufsichtigung der Kleinen betraut sind, sollten deren Psyche einschätzen und beobachten.

  • Welche Auswirkungen hat das Smartphone?
  • Lässt die Nutzung von Internet und Fernsehen das Verhalten negativ werden?
  • Sind Kinder und Teenager zunehmen gereizt, reagieren teilweise aggressiv und leiden unter Konzentrationsproblemen?
  • Ändert sich deren soziales Miteinander, werden sie zu Einzelgängern?
  • Wie steht es um die restliche Gestaltung von Ferien und Freizeit?

Vor allem der letztgenannte Punkt muss im Fokus liegen. Medienkonsum ist okay, wenn bestimmte Nutzungszeiten eingehalten werden.

Diesbezüglich gibt es eine Empfehlung, die als Grundlage für täglich oder wöchentlich geltende Regelungen innerhalb der Familie genutzt werden kann:

Angaben zur empfohlenen Mediennutzung von Kindern

Angaben zur empfohlenen Mediennutzung von Kindern
Alter Bilderbücher und
Bücher
Hörmedien
(Musik-CDs,
-Dateien, Hörgeschichten)
Bildschirmmedien
(Fernsehen, Video, Computer, Spielekonsolen, Tablets, Smartphones)
0–3 Jahre regelmäßig Bilderbücher anschauen und vorlesen (ab etwa 6 Monate) höchstens 30 Minuten am besten gar nicht
3–6 Jahre regelmäßig Bilderbücher anschauen und vorlesen höchstens 45 Minuten zusammen höchstens 30 Minuten
6–10 Jahre regelmäßig vorlesen / lesen höchstens 60 Minuten zusammen höchstens 45–60 Minuten

Um die Nutzungszeiten bei Kindern und Jugendlichen einzuschränken, sollten Regelungen zu Schulzeiten und für die Ferien gefunden werden. Gut ist es immer, wenn Eltern hier gemeinsam mit dem Nachwuchs nach Lösungen suchen. Was schlägt der Sohn oder die Tochter vor? Teilweise haben Kinder und Teenager sehr konstruktive Vorschläge. So kann es einen Gutschein geben, der dem Kind die wöchentliche Nutzung von Fernsehen und Internet für drei Stunden erlaubt.

In den Ferien dürfen es zum Beispiel fünf Stunden sein. Eine andere Idee könnte sein, dass Tablet und Fernsehen unter der Woche gänzlich tabu sind und nur am Freitag und Samstag für jeweils zwei Stunden genutzt werden können. Die Nutzungszeiten müssen dabei natürlich vom Alter der Kinder abhängig gemacht werden.

Generell gilt es, die Medienkompetenz zu fördern. Jugendliche können intensiv an die Auswirkungen, die ein übermäßiger Medienkonsum haben kann, herangeführt werden. Sie können bereits nachvollziehen, wie die Auswirkungen auf die Psyche sind und wie negativ sich eine fehlende Medienkompetenz auf den Umgang mit dem gesamten Umfeld auswirken kann. Auch hierbei gilt wieder, dass Jugendliche unbedingt einbezogen werden müssen. Sie sollen wissen, warum sie einzelne Seiten im Internet nicht besuchen dürfen.

Sie sollen verstehen, warum es nötig ist, dass der Drogenbeauftragte einen Vortrag an der Schule hält, und sollten im besten Fall auch Zahlen zu Mediensucht präsentiert bekommen. Es darf nicht immer nur um die Sicherheit im Netz gehen, sondern auch um die Psyche des Kindes, das vor dem Bildschirm sitzt. Ein reales Beispiel kann im Rahmen der Prävention Wunder wirken. Manche Eltern werden erstaunt sein, was eine Konfrontation mit den konkreten Zahlen und Auswirkungen bewirken kann!

Erwachsene, die mit der Beaufsichtigung der Kleinen betraut sind, sollten deren Psyche einschätzen und beobachten. (Fotolizenz: Shutterstock- Pixel-Shot_

Erwachsene, die mit der Beaufsichtigung der Kleinen betraut sind, sollten deren Psyche einschätzen und beobachten. (Fotolizenz: Shutterstock- Pixel-Shot)

Alternativen suchen und gemeinsam den Urlaub gestalten

Um dem gesteigerten Medienkonsum zu begegnen oder gar nicht erst feststellen zu müssen, wie negativ sich Smartphone und Co. auswirken können, sollte eine Familie gemeinsam agieren. Das gilt zum Beispiel im Punkt der festzulegenden Nutzungszeiten, bei dem Kinder und Jugendliche mit einbezogen werden sollten. Das gilt aber auch für die Planung der Ferien.

Es soll gemeinsam in den Urlaub gefahren werden: Wohin soll die Reise gehen? Was würde jedem gefallen und was geht gar nicht? Welcher Ausflug muss unbedingt gemacht werden? Können Kinder den Urlaub mit planen und vorbereiten, werden sie vor Ort auch genau das erleben wollen, was sie sich gewünscht haben. Sie wollen ihre Freizeit mit all den aufregenden Abenteuern und nicht vor dem Smartphone verbringen. Auch wenn das nicht heißt, dass der Nachwuchs allein über Unternehmungen im Urlaub und in den Ferien entscheiden kann, so sollte seine Meinung doch zählen.

Auch im normalen Alltag sollten Familien (bzw. Jugendliche) gemeinsame Erlebnisse einplanen und nicht jeder der eigenen Beschäftigung in der Freizeit überlassen sein. Ein Ausflug zu Mäckes ist immer lecker, auch der Besuch im Kino oder der Spaziergang durch den Zoo ist toll. Es müssen nicht immer Unternehmungen sein, die Geld kosten, auch ein einfacher Bummel durch den Park ist sinnvoll.

Dabei lässt sich über Erlebnisse des Tages sprechen und der Nachwuchs hat die Gelegenheit, über Sorgen und Nöte, aber auch über tolle Dinge, die am Tag geschehen sind, zu sprechen. Gemeinsam verbrachte Zeit ist mit Sicherheit ein Garant dafür, dass weniger Zeit im Internet verbracht wird!

Mutter und Vater sind Vorbilder. Das sollten Sie sich bewusst machen und immer daran denken, dass das Kind Sie nachahmen wird. (Fotolizenz: Shutterstock- Kaspars Grinvalds

Mutter und Vater sind Vorbilder. Das sollten Sie sich bewusst machen und immer daran denken, dass das Kind Sie nachahmen wird. (Fotolizenz: Shutterstock- Kaspars Grinvalds)

Prävention ist wichtig: Fünf Tipps für mehr Medienkompetenz

Sicherheit wird großgeschrieben und bezieht sich im Umgang mit dem Medium Internet vor allem auf Seiten, die von Kindern nicht besucht werden sollen. Diese Seiten können gesperrt werden, sodass sie von den Kleinen gar nicht erst geöffnet werden können. Von Zeit zu Zeit sollten die besuchten Seiten auf Smartphone oder Tablet überprüft werden, doch bitte immer in Anwesenheit des Kindes!

Vor allem Jugendliche empfinden es als schweren Vertrauensbruch, wenn Mutter oder Vater im Telefon „herumschnüffeln“. Ein offenes Wort ist sinnvoller!

Auch diese Tipps können im Sinne der Prävention helfen, den Medienkonsum des Kindes einzuschränken bzw. zu regeln:

  • Mutter und Vater sind Vorbilder.

    Das sollten Sie sich bewusst machen und immer daran denken, dass das Kind Sie nachahmen wird.

  • Medien sind keine Mittel zur Belohnung oder Bestrafung.

    Das heißt, TV und Smartphone werden nicht verboten, weil das Kind eine Missetat begangen hat und für einen Test vergessen hat, zu lernen oder seine Aufgaben im Haushalt nicht erledigt hat. Umgekehrt darf es nicht länger am Tablet spielen, weil es etwas besonders gut gemacht hat.

  • Fernsehsendungen sollten bewusst ausgewählt werden und keine Gewalt verherrlichen.

    An dieser Stelle können durchaus Streamingdienste genutzt werden, denn diese bieten auch Serien und Filme für Kinder an, welche oft sinnvoller als das normale Fernsehprogramm sind.

  • Klare Regeln sind wichtig.

    Nutzungszeiten für Medien sollten begrenzt werden, wobei sich die Grenzen nicht nach Lust und Laune verschieben dürfen.

  • Vereinbaren Sie medienfreie Zeiten.

    Das Smartphone kann auch im Urlaub zu Hause bleiben! Zu Ausflügen sollte es ebenfalls nicht immer mitgenommen werden dürfen, da das Interesse des Nachwuchses dann auch wieder nur auf den kleinen Bildschirm beschränkt ist.

Adressen: Hier gibt es Hilfeangebote

Wer feststellt, dass das Kind zunehmend aggressiv wird oder das normale Leben vernachlässigt, sollte sich Hilfe bei einer Beratungsstelle für Mediensucht suchen. Hier ein Link zum Verzeichnis des „Fachverband Medienabhängigkeit e.V.“. Allein schaffen es die wenigsten Mütter und Väter, ihr Kind medientechnisch in vernünftige Bahnen zu lenken, wenn erst einmal ein Suchtverhalten erkennbar ist.


Über Sabrina Müller

Sabrina Müller

Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

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